Ein Garten voll Unkraut 05.06.2016 18:58

Ein insektenfreundlicher Garten ODER ein Garten voll "Unkraut"!

So präsentiert sich dem ordnungsliebenden Hobbygärtner mein Garten. Ich weiß, viele sagen, das ist unordentlich, da steht Unkraut. Ich sehe das anders. Unkraut gibt es nicht. Es gibt nur Pflanzen, die nicht da stehen, wo sie stehen sollten.

In meinem Garten geht es nicht darum, dass er perfekt gestylt ist. Mir geht es darum mit meinem Garten der Natur ein Stückchen Platz zu geben. Ich freue mich, über jedes Insekt, egal ob Blattlaus oder Schmetterling. Auch Blattläuse brauchen ihren Platz in der Natur und sind wieder Nahrung für andere Tiere.

Blattläuse und andere Schädlinge

Ich habe weder die Zeit, noch Lust, die so genannten "Schädlinge" mit Chemie zu bekämpfen und die Erfahrung der letzten Jahre zeigt mir, dass das auch gar nicht nötig ist.

Ich mag Rosen und freue mich über jede, aber Blattläuse zu bekämpfen ist für mich unnötig!

Natürlich haben einige Pflanzen mal ab und an Probleme mit Blattläusen und ich hätte auch lieber eine makellose Rose im Garten. Aber im nächsten Jahr sind nicht die Rosen dran sondern andere Pflanzen, dann sehen die Rosen perfekt aus. Die letzten Jahre haben aber gezeigt, je weniger ich eingreife, desto weniger "Problemzonen" hat mein Garten. In diesem Jahr sind meine Rosen perfekt, ohne Pflege (außer schneiden) und minimalem Düngen.

Und wenn dann doch mal die Blattschneiderbienen Löcher in die Blätter meinen Rosen schneiden? Kein Problem. Ich freue mich drüber statt mich zu ärgern. Jede Art, die in meinen Garten einen Lebensraum findet ist eine Bereicherung. Es ist im Übrigen faszinierend den Blattschneiderbienen dabei zuzusehen.

Ameisen

Andere traktieren Ameisen mit Gift und Backpulver und was weiß ich für Mitteln, weil sie Fugen im Pflaster leer räumen und was weiß ich was es gegen Ameisen sonst noch zu sagen gibt. Klar, über die leeren Fugen freue ich mich auch nicht, aber die Ameisen dürfen dennoch bleiben und wenn man sie in Ruhe lässt, suchen sie sich ohnehin andere Plätze. 2015 hatte ich einen Ameisenhaufen mit Wiesenameisen am Rand vom Gartenteich im Heidekraut. In diesem Jahr sind es schon zwei. Im Moorbeet ist auch einer. Toll! Jetzt fehlt nur noch der Klee für meine Bläulingszucht im Garten. Der ist schon gesät.

Was andere an Argumenten gegen Ameisen haben, erschließt sich mir nicht. Sie stören nicht. Sie fristen ein ruhiges Dasein am Rand von Teich und Moorbeet und man muss sich ja nicht reinsetzen.

Gartenpflege im Allgemeinen

Die meisten Bereiche meines Gartens werden gar nicht gedüngt und das tut genau den Pflanzen gut, die ich haben möchte, nämlich Blumen und Kräuter, die wertvoll für die Insekten und andere Bewohner meines Gartens sind. Dazu gehört bspw. die "Wilde Karde". Für viele einfach nur "Unkraut" noch dazu stachelig. Aber sie ist ein Paradies für Insekten und Vögel. In den Blättern der größeren Pflanzen sammelt sich Regenwasser und Tau, gerade bei Trockenheit eine gute Wasserquelle für Insekten und Vögel, die daraus gerne trinken. Wenn sie im zweiten Jahr blüht, freuen sich Bienen und Hummeln über die Blüten und die Blütezeit jeder einzelnen Pflanze dauert mehrere Wochen. Sie wird 1,8m bis 2,5m hoch und bildet daher auch einen guten Sichtschutz an der Gartengrenze.

Im Winter bleiben die Samenstände dran und darüber freuen sich Finken und Stieglitze, die sich mit Vorliebe darüber hermachen. Und was übrig ist, sorgt für den Pflanzennachwuchs der Folgejahre.

Akkelei mag ich eigentlich gar nicht, aber die Hummeln freuen sich sehr darüber!

Ebenso finden sich meinem Garten viele Stauden und Wildblumen, die besonders nektarreich sind und daher eine gute Nahrungsquelle für die Insekten bilden. Sie dürfen sich überall da ausbreiten, wo sie nicht stören. Und stören tun sie mich nur, wenn ich so nicht mehr den Garten durchqueren kann, weil bspw. die wilde Karde zwischen Trittsteinen steht.

Nektarreiche Stauden wie die Spornblume ziehen Schmetterlinge an!

Mein Garagendach ist begrünt mit Steingartenpflanzen, Steinbrechgewächsen und Schnittlauch. Er bietet eine tolle Nahrungsquelle für Hummeln und Bienen und ist momentan in der ersten Blüte. Und der Schnittlauch vermehrt sich nicht nur super schnell, er sieht toll aus, wenn er blüht und schmecken tut er auch noch.

Der Schnittlauch auf dem Dach sieht sehr dekorativ aus!
Die erste Blüte auf dem Dach, zieht Unmengen Hummeln, Bienen und Schwebfliegen an!

Und was gibt es sonst noch in meinem Garten? Ganz viel sogenanntes "Unkraut" wie Saatmohn, Wegwarte, Schwertlilien, Nachtkerzen, Frauenmantel, Wiesenknöterich, Himmelschlüsselchen, Walderdbeeren, Fingerhut, Blutweiderich, Baldrian, wilder Pflox, Oregano, aber auch ein paar Zuchtstauden, aber nur die Sorten, die Wertvoll für unsere heimischen Insekten sind. Dazu gehören Gilbweiderich, Taglilien, Lavendel, Kugelprimeln, Herbstanemonen, Topinambur, Sonnenblumen, Astern, Bergenie, Montbretie, Wasserdost, Spornblume und viele mehr.

Gilbweiderich, dekorativ, insektenfreundlich und die Zuchtform bekommt auch keine Ausläufer!
Saatmohn, leider viel zu selten geworden in unseren Feldern
Storchenschnabel - ein toller Bodendecker, der noch dazu viele Schmetterling und Nachtfalter anlockt

In meinen Garten kommen keine gefüllten Stauden, ohne Nektar für Insekten. Ich kaufe auch keine Heidekrautarten für den Winter die als "Knospenblüher" angeboten werden, denn das sind Zuchtformen, deren Blüten sich nicht öffnen und daher über lange Zeit gut aussehen, weil sie auch nicht "verblühen". Da verzichte ich lieber auf Blumen in Kübeln und Kästen in Herbst und Winter. Muss nicht sein. Dafür blüht bei mir im Winter die Winterheide und stellt damit eine wertvolle Nahrungsquelle für die ersten Insekten des Jahres da.

Ebenfalls sehr beliebt bei Bienen und Hummeln ist der Wiesenknöterich.

Und das Ergebnis sieht super aus. Obwohl hier in der Gegend am Niederrhein draußen in freier Natur leider kaum noch Insekten zu finden sind, weil alle Blühpflanzen von den Bauern totgespritzt und gedüngt werden, ist mein Garten voller Insekten. Schmetterlinge, Nachtfalter, Bienen und Hummeln. Es summt und brummt überall und das freut nicht nur mich, sondern auch die Vögel und Fledermäuse. Dazu mehr im nächsten Blog-Beitrag.